Schlagwort-Archive: ökosozial
-
8. Konstanzer Europakolloquium: Green Economy in Europa – Illusion oder Wirklichkeit?
Vom 13. bis zum 15. Mai findet in Konstanz das 8. Europakolloquiums statt.Das Konstanzer Europakolloquium ist eine renommierte Tagungsreihe zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen rund um die EU. Der Fokus des vom 13. – 15. Mai stattfindenden 8. Europakolloquiums liegt auf der zukünftigen Entwicklung des europäischen Wirtschaftssystems. Hier soll insbesondere die Möglichkeit der Transformation hin zu einem nachhaltigen, ökologischen System im Mittelpunkt der Debatte stehen.
- 12. Juni 2011
- Kategorie: Veranstaltungen
-
Werteregulierte Marktwirtschaft – ein Mitbestimmungsmodell
Montag, 06.06.11, 19.00 h, Seidlvilla, München, Nikolaiplatz 1bNachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility oder CSR sind heute ein Differenzierungsmerkmal vieler Firmen. Aber die Gesellschaft erwartet nicht nur Einzelbeispiele, sie erwartet umfassende, branchenspezifische Ordnung für die großen Problembereiche. In Zeiten global vernetzter Märkte kann diese Antwort nicht mehr allein dem Staat überlassen werden.
- 12. Juni 2011
- Kategorie: Veranstaltungen
-
Projektgruppe “Global Social Entrepreneurs” gegründet
Mit der Gründung einer Projektgruppe zur Förderung der privaten Entwicklungszusammenarbeit am 27.3.2010 in Essen gibt es jetzt auch ein Forum für den gegenseitigen Austausch. Ein Ziel ist, den Wissenstransfer zwischen den internationalen Projekten zu forcieren. Dazu nutzen die Projektgründer neben den modernen Möglichkeiten zur Vernetzung das Know-How und die internationalen Netzwerke der Projektmitglieder. Lesen Sie hier, welche Projekte aktuell unterstützt werden.- 20. April 2010
- Kategorie: Allgemein
-
“Das betrifft uns alle” – Sarkozy auf dem World Economic Forum
Der französische Präsident Sarkozy geht bei seiner Eröffnungsrede des World Economic Forums in Davos hart ins Gericht mit der bisherigen Entwicklung der Globalisierung und fordert ein Umdenken und schnelles Handeln.
“Jeder von uns muss sich eingestehen, dass die Welt von morgen, nicht die Welt von gestern sein kann” sagt Sarkozy und fordert mehr als einmal die Einführung von ökologisch-sozialen Standards bei gleichzeitiger Unterstützung der ärmeren Länder, welche bspw. durch eine Finanztransaktionssteuer finanziert werden könnte:“Ein entscheidender Fortschritt wäre es, Umweltgesetze, das Arbeitsrecht und Gesundheitsrechte auf die gleiche Stufe wie das Handelsrecht zu stellen,…Doch wie können wir die Einführung dieser sozialen und ökologischen Standards andenken, ohne den armen Ländern zu helfen, diese auch einhalten zu können?,…,Vordergründig ist eine innovativere Finanzierung. Wir kommen um eine Debatte über eine Spekulationssteuer nicht umhin. Egal ob wir die Finanzmarkt Raserei begrenzen wollen, Entwicklungshilfe finanzieren oder die Entwicklungsländer in den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen möchten, es läuft doch immer wieder darauf hinaus die Finanztransaktionen zu besteuern.”
Die gesamt Rede können Sie hier als pdf herunterladen. (Quelle: Global Marshall Plan Foundation)
(Fotograf: Sebastian Zwez)
- 28. Februar 2010
- Kategorie: Veranstaltungen
-
“GEWINN mit SINN”
Wie eine neue Unternehmergeneration die Wirtschaft humanisieren will
Ein Vortrag von
Nicola Tofaute und Dirk Sander
am 4.3.2010 um 19 Uhr
"Telephone-Lady" Social Business in Bangladesch Foto: Dirk Sander
- 13. Februar 2010
- Kategorie: Veranstaltungen
-
Gravierende Mängel bei ökosozialen Modeanbietern
Nachhaltig produzierte Mode erlebte in den vergangenen Jahren einen kleinen Boom. Das nordrhein-westfälische Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene hat jetzt bei einer Reihe nachhaltiger Modeanbieter nachgefragt, welche Sozial- und ökologischen Standards sie berücksichtigen und ob deren Einhaltung von unabhängigen Dritten überprüft wird.
Von den untersuchten 23 Unternehmen beziehen sich mehr als zwei Drittel (69%) in ihrer Programmatik auf alle grundlegenden Sozialstandards und nur 22% auf alle aufgelisteten Öko-Standards. Beim Nachweis der Einhaltung
der Standards lassen 35% der Unternehmen die Öko-Standards extern kontrollieren. Nur ein marginaler Anteil lässt Sozialstandards unabhängig überprüfen.Südwind versucht mit der Studie, den Dschungel von Marken und Siegeln im Modesektor zu lichten. Andererseits soll sie Kriterien an die Hand geben, die VerbraucherInnen zu befähigen, Unternehmen nach ihren sozial-ökologischen Standards zu überprüfen. VerbaucherInnen sollen informiert und die Unternehmen angespornt werden, Sozial- und Umweltstandards anzuheben.
Die komplette Studie finden sie als hier als pdf
- 9. Januar 2010
- Kategorie: Allgemein
-
Veranstaltung:„Welches Wachstum wollen wir? Grenzen und Möglichkeiten“ am 25. November 2009 in Erfurt
Vortrags – und Diskussionsveranstaltung der ÖSF-Veranstaltungsreihe:
„Konzepte für eine Welt in Balance“
des Ökosozialen Forums Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Nachhaltigkeitsbeirat am 25. November 2009, 18 bis 21.30 Uhr, in der Kleinen Synagoge, An der Stadtmünze 4/5 in 99084 Erfurt (Tel. 0361 655-1660)
„Welches Wachstum wollen wir? – Grenzen und Möglichkeiten“
Die Weltwirtschaftskrise und die hierfür als „Rettungsschirme“ konzipierten Konjunkturpakete der Industrienationen lassen die notwendigen und viel weitergehenden Schritte für eine weltweit gerechte und auf Dauer tragfähige Entwicklung einer Ökosozialen Marktwirtschaft aus dem Blickfeld geraten. Obwohl die Nationen im Grundsatz die Notwendigkeit tiefgreifender Änderungen – z. B. im Hinblick auf Klimawandel und Emissionsbegrenzung – erkannt haben, bleibt offen, wie diese konkret umgesetzt werden können. Hier sind alle politische Ebenen und Akteure gefordert.
Die Veranstaltung will der Frage nachgehen, welche Art von Wachstum sich die Menschheit heute – angesichts dramatisch zunehmender Weltbevölkerung und begrenzter Ressourcen – noch leisten kann. Hierbei werden die Ergebnisse der öffentlichen Anhörung zum Global Marshall Plan im Thüringer Landtag vom 28. September 2007 sowie die Beschlüsse des Landtags und der Stadt Erfurt zum Global Marshall Plan und zur nachhaltigen Entwicklung berücksichtigt. Ein „Weiter wie bisher“ wird es wohl nicht mehr geben können. Die Veranstaltung des Ökosozialen Forums und des Thüringer Beirats für Nachhaltige Entwicklung will
Lösungsmöglichkeiten aufzeigen und den derzeitigen Umsetzungsstand in
Thüringen diskutieren.Tagungsfolge:
1. Teil:
Vorträge (18.00 – ca. 19.30 Uhr)
- -Roland R. ROPERS, Religions- und Transformationsphilosoph, Etymosoph und Publizist, Präsident der International Gandhi & Griffiths Society, München und Hyderabad/Indien über „Wachstum, Werte und Bewusstsein – wohin gehen wir?“
- -Detlef WENDT, Leitender Ministerialrat, Bundesvorsitzender des Ökosozialen Forums Deutschland, über „Der Global Marshall Plan und das Konzept einer Ökosozialen Marktwirtschaft“
- -Prof. Dr-Ing. Viktor WESSELAK, Prorektor Forschung der Fachhochschule Nordhausen, Vorsitzender des Beirates der Thüringer Landesregierung zur Nachhaltigen Entwicklung, referiert „Der Thüringer Nachhaltigkeitsbeirat und die Nachhaltigkeitsstrategie im Freistaat Thüringen“
- -Dr. Alexander DILL, Leiter des Global Commons Index (Basel), Unternehmer und Wirtschaftsessayist, Autor der Bücher „Der große Raubzug“ und „Warum Erfolg nicht machbar ist“, über „Der „Commons Index“ – Wachstum und Wohlstand richtigmessen „.
Mit dem Commons Index, der natürliche, soziale und private Gemeingüter misst, bietet sich erstmals die
Chance, die Gemeinschaftsleistung einer Region jenseits der reinen Geldströme („Bruttoinlandsprodukt pro Kopf“) zu messen. Ziel dieses neuen ökonomischen Ansatzes ist es, die Investition in Gemeinschaftsgüter zur alternativen Kapitalanlage zu machen und so künftig auch private Investitionen in öffentliche Anliegen zu ermöglichen. Dabei können erstmals kulturelles und soziales Engagement einer Region wirtschaftlich bewertet werden – eine mögliche Grundlage der Entwicklung Thüringens zu einer krisenfesten Bürgergesellschaft in Zeiten sinkender staatlicher Finanzmittel bilden.2. Teil:
Politische Runde – Podiumsdiskussion der Referenten mit Thüringer Politikern (20.00-21.30 Uhr)
- Frau Eleonore MÜHLBAUER, MdL, SPD
- Herr Thomas L. KEMMERICH, MdL, FDP
- Herr Dr. Frank Augsten, MdL, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- Christian GUMPRECHT, MdL, CDU – angefragt
- Katja WOLF, DIE LINKE – angefragt
Moderation: Carsten ROSE von Radio F.R.E.I.
Anbei der Flyer zum herunterladen.
flyer-a4-wachstum_druck (PDF, 877 KB)
- 17. November 2009
- Kategorie: Veranstaltungen
-
ÖSF auf dem Vision Summit
Das Ökosoziale Forum Deutschland wird mit einem Informationsstand und durch einige Mitglieder des Vorstandes auf dem diesjährigen Vision Summit am 08. November in Berlin vertreten sein. Das Motto des diesjährigen Summit – bei dem Muhammed Yunus einer der tradionellen Gäste ist – lautet: Another Wall to fall.
Sprecher auf dem diesjährigen Vision Summit sind u. a. Muhammed Yunus, Michael Otto, Franz Alt und Götz Werner.
Das Programm sowie weitere Informationen zum Vision Summit finden Sie hier.
- 11. Oktober 2009
- Kategorie: Allgemein
-
Atomenergie: Teurer geht’s kaum
Eines Studie unserer Partnerorganisation FÖS (Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft), die im Auftrag von Greenpeace e
rstellt wurde, untersucht die öffentlichen Ausgaben für die Atomwirtschaft. Dabei kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass seit 1950 über 165 Mrd. Euro reale Fördermittel in die Atomenenergie investiert wurden. Hinzu kommen bereits heute bekannte zukünftige Kosten von mindestens 92,5 Milliarden Euro. Doch selbst diese Zahlen ergeben noch kein Gesamtbild des Subventionsdesasters. Das FÖS taxiert die Summe noch viel höher, da die “externalisieren Kosten” noch nicht eingerechnet seien. Dazu gehören etwa Krankheitskosten für Menschen, die in unmittelbarer Nähe von Kernkraftwerken leben, die Degradierung der Umwelt oder die fehlende Haftungim Falle eines Atom-GAUs.Erstmals liegt mit dieser Studie eine umfassende Bilanzierung der staatlichen Atomsubventionen vor. Der von der Atomindustrie und den “Big Four” Eon, RWE, Vattenfall und EnBW mit Millionen an PR-Geldern öffentlich inszenierte und gepflegte Mythos von der “billigen” Kernenergie sollte damit endültig aus den Sprechblasen der Politiker entfernt werden, die Atomenergie nach wie vor für unverzichtbar erklären. Würde die Atomkraft zur “subventionsfreien Zone” erklärt und dazu sämtliche bereits abgeschriebenen, aber noch mit großem Profit laufenden Kernkraftwerke abgeschaltet, wäre die “billige und saubere” Atomkraft mit einem Schlag erledigt. Andre Böhling, Energieexperte von Greenpeace, erklärt, daß die vier grossen Energiekonzerne seit 2002 Gewinne von 100 Milliarden Euro eingefahren hätten – auf Kosten der Allgemeinheit: “Die Stromkonzerne kassieren bei den Bürgern gleich zweimal ab, als Stromverbraucher und als Steuerzahler.”
Hier geht es zur Studie, und hier zur Präsentation.
- 8. September 2009
- Kategorie: Allgemein
-
Ein anderes Europa schaffen!
Ein anderes Europa schaffen!
Vorschläge für ein soziales, ökologisches und demokratisches Europa
von Josef Riegler, 4. Mai 2009
Ich spreche für die Initiative “Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft”. Wir haben unsere Initiative im Mai 2003 gestartet und sie mit der “Stuttgarter Erklärung” vom 11. Oktober 2003 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. In dieser Erklärung heißt es: “Das erfolgreiche europäische Modell der Ökosozialen Marktwirtschaft, welches sich in den Grundzügen in den Programmen sowohl von konservativen wie auch sozialdemokratischen, liberalen oder grünen Parteien in Europa wiederfindet, ist ein glaubwürdiges Konzept und könnte als Vorbild für die Rahmenbedingungen eines neuen globalen Miteinander dienen. Eine europäische Initiative für einen Global Marshall Plan zur weltweiten Förderung dieses Erfolgsmodells wäre zweifelsohne ein historischer Schritt, der das Ansehen und den Erfolg Europas auf Jahrzehnte hinaus sichern kann. Wir fordern daher die Einrichtung eines Beratungsgremiums der Europäischen Union zur Entwicklung eines ökosozialen Globalen Marshall Plans.”Trotz intensiver Gespräche mit Vertretern der EU-Kommission ist es zu diesem formalen Schritt leider nicht gekommen, obwohl sich im Dokument zur Entwicklungsstrategie der EU viele unserer Punkte wiederfinden.
Hätte die EU-Kommission unsere Anregungen im Jahr 2004 aufgegriffen, wäre die EU im Herbst 2008 nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise als globaler Akteur viel besser dagestanden.
Die Ereignisse seit dem Herbst 2008 haben uns allerdings deutlich gezeigt, wie wichtig der Euroraum für die Stabilität unserer Währungen und wie wichtig der gemeinsame Binnenmarkt für die Dynamik unserer Wirtschaft ist. Nicht ohne Grund drängen nun verschiedene Staaten in die EU beziehungsweise wollen den Euro als Währung übernehmen.
Wenn wir über die europäische Integration, ihre Mängel und notwendige Verbesserungen diskutieren, dann sollten wir uns auch in Erinnerung rufen, welch Segen dieser Integrationsprozess für Europa insgesamt ist. Denn das wichtigste Gut dieses Einigungsprozesses lautet Friedenssicherung und Vermeidung von Krieg. Es ist ein erstmaliges Phänomen in der europäischen Geschichte, dass nun bereits eine zweite Generation West- und Mitteleuropa ohne Krieg erleben darf.
Angesichts der nun schon mehr als ein Jahr andauernden Aufhetzungskampagne der “Kronen Zeitung” und der hemmungslosen Demagogie gegen die EU durch Strache und Co. ist es notwendig, immer wieder auf das wichtigste Anliegen der europäischen Integration, nämlich die Sicherung des Friedens, hinzuweisen. Das wiegt viel mehr als alle Ärgernisse und Problemchen, die wir mit “Brüssel” haben mögen.
Die Geschichte des europäischen Einigungsprozesses seit 1950 ist eine Geschichte der Krisen: Von der “Politik des leeren Stuhls” durch Charles de Gaulle in den 1960er-Jahren über die “Eurosklerose” in den späten 1970er-Jahren bis zu den gegenwärtigen Troubles mit dem tschechischen EU-Vorsitz und dem möglichen Scheitern des Verfassungsvertrages von Lissabon reichen die Probleme. Bisher ist der europäische Einigungsprozess aber aus jeder Krise letztlich gestärkt hervorgegangen!
Hauptursachen für die Krise
Was die derzeitigen Schwierigkeiten und die momentane Krise in der EU anlangt, sehe ich zwei Hauptursachen:
1. Eine allzu starke Dominanz nationalstaatlicher Egoismen.
Was “Brüssel” vorgeworfen wird, hat seine Ursache sehr oft in der Unfähigkeit nationalstaatlicher Regierungen, sich zu großen gemeinsamen Würfen durchzuringen beziehungsweise in den Entscheidungsprozessen Fehlentscheidungen zu verhindern. Denn was in seinen Auswirkungen oft kritisiert und beklagt wird, ist vorher meistens unter Zustimmung aller Mitgliedstaaten beschlossen worden.Eine positive Ausnahme war die zweite Hälfte der 1980er-Jahre, als mit Präsident Francois Mitterand, Bundeskanzler Helmut Kohl und Kommissionspräsident Jaques Delors drei Männer die Entwicklungen in der EG beziehungsweise EU gestaltet haben, denen es vorrangig um den großen gemeinsamen Wurf des europäischen Integrationsprozesses ging. Dieser Phase verdanken wir die großen Errungenschaften des Gemeinsamen Wirtschaftsraumes, des Euro, der Aufhebung staatlicher Grenzen durch das Schengen-Abkommen, die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie die Entscheidung für den Erweiterungsprozess um die ehemals kommunistischen mittel- und osteuropäischen Staaten.
Seither dominieren wieder die Kleinkrämerei und der einzelstaatliche Egoismus.2. Weltweites Diktat einer falschen Ideologie
Das noch viel gravierendere Problem sehe ich in einer Art “geistiger Pandemie” einer falschen Ideologie seit dem Beginn der 1990er-Jahre. Ich meine damit die weltweite Dominanz eines einseitigen Marktfundamentalismus und eine von Kapitalinteressen und Profitgier getriebene Globalisierung. Bezeichnend die Eigendefinition durch einen der geistigen Väter dieses Marktfundamentalismus, Milton Friedman: “Die soziale Verantwortung von Managern ist Profitmaximierung für die Aktionäre.”Diese weltumspannende unfaire Gestaltung von Globalisierung ist das eigentliche Problem, sie führt zur Verlagerung der Produktion zu den Standorten mit geringsten Löhnen, schlechtesten Sozialsystemen und fehlenden Umweltstandards. Das führte auch bei uns zum Verlust von Arbeitsplätzen, zu sinkenden Löhnen und zu einer Erosion unserer Sozialsysteme. In der öffentlichen Wahrnehmung werden diese Fehlentwicklungen meistens allerdings nicht einer unfair gestalteten Globalisierung, sondern der EU angelastet. Die EU ist der Prügelknabe. Allerdings ist die EU daran zum Teil auch selbst schuld: Sie ist manchen der Fehlentwicklungen auf globaler Ebene nicht energisch genug entgegengetreten, hat zum Teil selbst mitgespielt und tritt selbst als aggressiver Akteur im globalen Wettbewerb auf. In der Wahrnehmung vieler Bürger wird der Verlust an sozialer Wärme und die Aushöhlung der Sozialen Marktwirtschaft in erster Linie der EU angelastet. Die EU wird nicht als Schutz vor der Brutalität einer globalen profitgetriebenen Ökonomie empfunden. Dieser Eindruck wird durch die bereits angesprochene verantwortungslose Demagogie und Verhetzung seitens einzelner Medien und politischer Akteure noch verstärkt.
Ansatzpunkte für ein „anderes Europa“:
Wir brauchen tiefgreifende Veränderungen im Hinblick auf die inneren Strukturen und die Entscheidungsprozesse in der EU, die weit über den derzeit vorliegenden Lissabon-Vertrag hinausgehen.Dazu einige Stichworte:
1. Wir brauchen eine EU der gelebten SUBSIDIARITÄT!
In der gegenwärtigen EU ist das Subsidiaritätsprinzip sehr oft auf den Kopf gestellt:
Einerseits werden wir durch immer mehr praxisferne zentralistische Regelungen in kleinsten Details des täglichen Lebens verärgert, andererseits fehlt es an gemeinsamen europäischen Rahmenbedingungen, wo die einzelnen Nationalstaaten überfordert sind:
Gerechte und vergleichbare Steuersysteme, fairer Wettbewerb, europäische und globale Regelungen gegen die Übermacht von Kartellen und Monopolen.
Im Grunde geht es um den Schutz vor Existenz- und Jobverlust; es geht um den Schutz für Arbeitnehmer und mittelständische Unternehmen vor einem unfairen globalen Wettbewerb.Was wir brauchen, ist daher eine starke, parlamentarisch verfasste EU mit nachvollziehbaren demokratischen Entscheidungsprozessen, welche der Wirtschaft einen fairen Ordnungsrahmen vorgibt und als starker globaler Akteur einen Schutzschild gegen die negativen Auswirkungen einer unfairen Globalisierung bildet. Der Lissabonvertrag wäre ein zwar unzureichender, aber kleiner Schritt in die richtige Richtung.
2. Europäisches Wirtschafts- und Sozialmodell
Wir brauchen eine EU, die das europäische Gesellschafts-, Wirtschafts- und Sozialmodell lebt und verteidigt!
Die derzeit dominierende Einseitigkeit des Liberalisierungswahns gehört korrigiert. Am Beispiel der nun beklagten negativen Auswirkungen der Postliberalisierung sollten wir erkennen, dass es den Mut erfordert, einmal getroffene und als falsch erkannte Entscheidungen auf EU-Ebene zu revidieren!Positive Markenzeichen “unseres” Europa waren Soziale Marktwirtschaft, Partnerschaft, Balance zwischen Belangen der Wirtschaft, des Sozialen und der Ökologie, was insgesamt einen “Mehrwert” an Lebensqualität ermöglichte.
Eine starke EU, die engagiert für soziale Rechte und globale Fairness kämpft, könnte die Herzen der Bürger gewinnen und gleichzeitig weltweit einen wichtigen Impuls in Richtung einer zukunftsfähigen Entwicklung setzen.
3. Erneuerung der EU von innen her
Wenn wir eine andere, eine “bessere” EU wollen, dann müssen wir uns fragen, wie wir die EU von innen her verändern können. Für mich drängen sich vorrangig folgende Möglichkeiten auf:
• positiver Druck seitens der Zivilgesellschaft auf Regierungen und Parlamente in den Mitgliedstaaten
• Einflussnahme auf Abgeordnete im Europäischen Parlament
• Entwicklung einer gemeinsamen Achse zwischen Vertretern der Arbeitnehmer und der mittelständischen Wirtschaft sowohl auf Ebene der EU wie auch weltweit.
• Europaweite Initiativen der Zivilgesellschaft durch Bündelung all jener Kräfte, denen es um mehr Demokratie, mehr soziale Rechte, ökologische Nachhaltigkeit und ein tolerantes Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen geht.Das Ziel: Die EU sollte in die Lage versetzt werden, weltweit als glaubwürdiger und entschlossener Akteur für eine gerechtere Gestaltung des Zusammenlebens einer großen Menschheitsfamilie aufzutreten. Dafür müssen sowohl auf europäischer wie auch auf globaler Ebene geeignete Strukturen geschaffen werden.
Die EU ist derzeit weltweit gesehen das einzige Modell, in dem freiwillig und auf demokratischem Weg ein Miteinander unterschiedlicher Staaten, Nationalitäten, Kulturen und Religionen möglich ist. In dieser positiven Beispielwirkung liegt eine große Chance, aber auch eine große Verantwortung.
4. Weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft als Modell
Mit der Gründung der Initiative “Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft” im Jahr 2003 haben wir aus der europäischen Zivilgesellschaft heraus einen möglichen Weg für eine friedensfähige und zukunftsfähige globale Entwicklung vorgeschlagen:
Das Modell beruht auf den Erfahrungen des EU-Kohäsionsprinzips – das heißt, dem Ausgleich zwischen ärmeren und reicheren Regionen – und den Erfahrungen aus dem EU-Erweiterungsprozess – der Übernahme gemeinsamer Rechtsstandards, aber gekoppelt mit Kofinanzierung.Das ist der Kerngedanke unserer Global Marshall Plan Initiative. Als globale Strategie bedeutet dies:
a) Großzügige Investitionen in Entwicklungspartnerschaft als effizienteste Friedensstrategie. Als ersten Schritt geht es um die Finanzierung der UNO-Millennium-Entwicklungsziele durch Realisierung des “0,7 Prozent-Zieles” seitens der reicheren Länder und die Einführung globaler Abgaben, z.B. auf Kapitaltransfers.
b) Gleichzeitig Durchsetzung weltweit verpflichtender Sozial- und Umweltstandards sowie der notwendigen Spielregeln für einen fairen Wettbewerb in allen dafür in Frage kommenden globalen Institutionen und Vereinbarungen.5. “5-Punkte-Sofortprogramm”
Angesichts der aktuellen Dramatik als Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ist die Politik herausgefordert, das Heft des Handelns durch ein international abgestimmtes Agieren endlich wieder in die Hand zu nehmen. Vorrangig wären aus meiner Sicht folgende fünf Punkte für eine weltweite gemeinsame Strategie der Staatengemeinschaft, wofür die “G-20″ zur Vorbereitung positive Impulse setzen könnten:
a) rasche Durchsetzung wirksamer Regeln und Kontrollen für die weltweiten Finanzmärkte;
b) Verbote zerstörerischer Spekulationen in den Bereichen Finanzmärkte, Nahrungsmittel, Energie und Rohstoffe;
c) rasche Durchsetzung einer weltweiten Abgabe auf Kapitaltransfers;
d) rasches “Austrocknen” aller Steueroasen als Fluchtpunkte für Steuerhinterziehung, Bilanzfälschung und Geldwäsche;
e) nach Beendigung der WTO-Doha-Runde rascher Start einer neuen Verhandlungsrunde mit den Schwerpunkten Sozial- und Umweltstandards, faire Handelsbedingungen für Entwicklungsländer sowie transparente Entscheidungsprozesse.„Die EU sollte eine entschlossene Vorreiterrolle für die Verhandlung und Durchführung wichtiger Initiativen in den Bereichen der nachhaltigen Entwicklung, Armutsbekämpfung und internationalen Sicherheit übernehmen.“ (Mitteilung der Europäischen Kommission zur Kooperation mit den Vereinten Nationen)
- 31. August 2009
- Kategorie: Allgemein
