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Kopenhagen. Ein Weckruf für neue partizipative Verhandlungsmethoden?!
Nun ist es also geschafft! Zumindest ist es vorbei.
Alle Welt redet vom Scheitern des Klimagipfels. Ich glaube jedoch, dass niemandem auf diesem Gipfel nicht klar gewesen ist, worum es ging. Selbstverständlich gab und gibt es Unstimmigkeiten, was Reduktionsziele und Ausgleichszahlungen etc. betrifft, aber, dass es zu überhaupt keinem Ergebnis gekommen ist, lag in meinen Augen weniger an den inhaltlichen Differenzen, sondern mehr am Prozess an sich. Die Situation beweist in meinen Augen eindeutig, dass wir nicht über notwendigen Methoden und Prozesse verfügen, um in einem so großen Stil zu einer Einigung zu kommen.
Wer schon einmal in Verhandlungen saß, der weiß, wie nervenaufreibend es ist, wenn man nichts sagen darf nur weil man “nicht an der Reihe” ist, wie man schier wahnsinnig wird, weil sich die Diskussion schon wieder in eine andere ganz andere Richtung entwickelt, obwohl man doch noch etwas sagen wollte und wie sehr man ebenso beteiligt werden will, wie jeder andere im Raum.
“Die Debatte im Plenum der Weltklimakonferenz, …, kehrt um 7.06 Uhr zu Ian Fry zurück, dem Mann aus Tuvalu.” heißt es auf Spiegel online. 7.06 Uhr – das war knapp 3 Stunden nachdem Fry zum ersten Mal etwas gesagt hatte. Die FAZ schreibt: “Der Delegierte ,…, aus Tuvalu bekam die Chance, das Wort zu ergreifen, und er nutzte sie für einen flammenden Appell”. Er nutzt diese Gelegenheit, seine eine Chance jetzt etwas zu sagen, was ihm vermutlich schon lange auf dem Herzen lag: “Statt einer unverbindlichen Festlegung auf 2 Grad müsse die Staatengemeinschaft festschreiben, dass die Temperatur höchstens 1,5 Grad steigen dürfe, verlangte er. Sonst sei sein Staat dem Untergang geweiht.” Mit seiner Forderung nach 1,5 Grad max. Erderwärmung forderte Ian Fry hier etwas, was eigentlich im Vorfeld (und auch im Nachhinein) schon gar nicht wirklich diskutiert wird. Sicherlich, Fry’s Forderung hat ihre Berechtigung, insbesondere für Tuvalu, allerdings machte sie in diesem Moment nahezu keinen Sinn. Ich vermute er war einfach nur aufgebracht, erschöpft und tief verletzt. Verletzt, weil man ihn nicht anhörte, weil man ihn und viele andere nicht einbezogen hatte. Sie alle äußerten jetzt ihren Unmut. Fry sprach von 1,5 Grad, er sprach von Inhalten, alle anderen, die sich danach äußern, reden dann aber lt. FAZ plötzlich vom Verfahren. Vermutlich war der Versuch sich in einer kleineren Gruppe zu einigen, das einzige was überhaupt noch Aussicht auf Erfolg hatte, aber jetzt geht es plötzlich nicht mehr um Inhalte, sondern darum, dass 30 Staaten den anderen etwas vorsetzten:
“sprach von einem „Staatsstreich“ gegen den Geist der Vereinten Nationen. …, „diktatorische“ Weise, wie den Delegierten das Papier nur kurz zur Abstimmung präsentiert worden sei.”
“Doch protestierten einige Länder, die an der Entscheidung nicht beteiligt waren.”
“Vor allem die Delegierten mehrerer Entwicklungsländer machten deutlich, dass ihnen die Art und Weise, wie ihnen die Klimaeinigung präsentiert wurde, absolut nicht passte.”
Wir sollten, bevor wir solche Mammutverhandlungen zu solch komplexen Tehmen führen, vielleicht auch einmal über die Methoden nachdenken. Sind wir wirklich noch in der Lage die Herausforderungen der Zukunft mit den gleichen Methoden der Zusammenarbeit zu lösen, wie schon vor 50 Jahren? Ich bin, wie andere auch, überzeugt: “global problems need cocreative participatory collaboration”
Andreas Huber
PS: Ian Fry kommt nun vermutlich eine ähnlich “wegweisende” Rolle zu, wie während des Bali Gipfels Kevin Conrad. Was wäre wohl passiert, wenn Ian Fry nicht die Chance gehabt hätte seinen Unmut zu äußern?
- 19. Dezember 2009
- Kategorie: Allgemein