In dieser Rubrik finden Sie Beiträge und Positionen zum Thema Bildung. Die veröffentlichten Texte spiegeln das Spektrum der Meinungen und die Debatte im Ökosozialen Forum wieder. Verantwortliches Vorstandsmitglied für den Themenbereich ist Hans-Georg Torkel. Er ist Schulleiter am Berufskolleg für Technik und Informatik in Neuss (bei Düsseldorf) und engagiert sich in der KIT-Iniative (siehe:Partner). Diese verleiht jährlich einen Innovationspreis.

  • Bildung – wofür bitte?

    Wir zielen hier auf eine Wirtschaft und damit Gesellschaft, die materielle oder finanzielle Vorteile mit sozialer Fairness und gesundheitlicher Vernunft – also einer möglichst naturkonformen Lebensweise – in Einklang bringt. Der übliche Begriff dafür – “Nachhaltigkeit” – klingt vielen wenig sexy und wird immer häufiger, immer häufiger auch missverständlich, beliebig, unbewusst oder bewusst verdrehend oder schlichtweg genau falsch verwendet.

    Wenn es um eine Welt mit Zukunft, in Balance geht, so ist dies für manche die Erfüllung lang gehegter Sehnsüchte, für andere eine klar kalkulierte Notwendigkeit. Denn die logischen Alternativen verweigern sich jedem gesunden Menschenverstand: Der ökologisch-globale Kollaps, wenn der ressourcenintensive, “westliche” Lebensstil hier gewissenlos beibehalten und anderswo gedankenlos übernommen werden würde. Oder eine “Diktatur der Mächtigen”, die lebenswichtige Faktoren – Wasser, Nahrungsgrundlagen, Land, Bodenschätze – vereinnahmen, notfalls friedlos verteidigen und nach Gutdünken verteilen würde.

    In dieser Artikelserie möge es darum gehen, die eine oder andere These aufzugreifen, zu hinterfragen und auch bestimmte Begriffe etwas gründlicher und sorgfältiger zu beleuchten – was bedeuten sie eigentlich? Wie werden se verwendet? Wie wirken sie?  Und dies alles aus Sicht einer konstruktiven, zukunftsfähigen Bildungspolitik und -praxis; denn seien wir mal ehrlich: Eine Bildung für Nachhaltigkeit, die nicht wirklich die Bedürfnisse, Befürchtungen und Hoffnungen der jungen und folgenden Generationen berücksichtigt, hätte dieses Etikett nicht verdient. Jedoch: Wo haben wir – wenn ich an den kürzlichen Bildungsstreik denke – den (ergebnis)offenen, respektvollen und aufrichtigen Dialog mit Lernenden, Auszubildenden, Studierenden gesucht? Und gefunden?

    Und erst, wenn wir eine ausgewogene und attraktive Vorstellung von einer fairen Zukunft haben – und auch besser verstehen, warum wir in einer recht gefährlichen Sackgasse stecken, können und werden wir Bildung ganz neu denken und gestalten können. Wir dürfen hier analysieren, warum Schule und Bildung in Deutschland – gemessen am aktuellen Welt-Standard wie auch verglichen mit den Dichtern, Denkern und Tüftlern unserer längeren Geschichte – im Grunde misslingen musste und muss… bis bald!