120 Menschen waren im März der Einladung des Ökosozialen Forums (ÖSF) gefolgt und in den Saal der Volkshochschule am Hauptbahnhof gekommen. Sie lauschten gespannt den engagiert vorgetragenen Berichten, wie sich Marktwirtschaft mit sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit verbinden lässt. Auf der Agenda stand das von Muhammad Yunus in Bangladesh entwickelte Konzept des ‚Social Business‘.
Humane Marktwirtschaft basiert auf Unternehmen, die sozial verantwortlich und gerade deshalb wirtschaftlich arbeiten.
In der Einführung erläuterte Franz Alt, warum die Sonne uns keine Rechnung schickt und was dies mit humaner Marktwirtschaft zu tun hat. „Energiewende ist ein Gewinn“, stellte Alt die Nutzung von Solarenergie vor. Abkehr von fossiler Verbrennung habe „nichts mit Verzicht“ zu tun und zeige, wie Technik eingesetzt werden könne, um Ressourcen zu schonen.
Auf die Mitarbeiter setzen
Der Unternehmer Dieter Reitmeyer aus Langenfeld beschrieb, wie er in 14 Jahren ein weltweit erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat, in dem 1.500 Mitarbeiter ihr Fachwissen zur Verfügung stellen. Reitmeyer gab bei der Einstellung jenen den Vorzug, bei denen die ‚Augen glänzten‘ und nicht die Bewerbungsmappen. Weil es darauf ankäme „was man können will“ und nicht „was man schon kann“, stellte er Menschen ein, die die angebotenen Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung nutzen wollten. Viele von denen, die arbeitslos und ‚zu alt‘ waren, seien heute gefragte Fachleute.
„Man muss seine Mitarbeiter mögen,“ brachte er sein Erfolgsrezept auf den Punkt. Im vergangenen Jahr, auf dem Höhepunkt der Krise und bei einem Auftragseinbruch von 80 Prozent, hätten sie die Durststrecke gemeinsam durchgestanden. Heute stelle die redi-group schon wieder Mitarbeiter ein.
Bildung für Integration
„Integration fängt mit Bildung an,“ stellte Murat Vural seinen Weg vor, den er in Castop-Rauxel beschreitet, um Jugendlichen mit Migrationshintergrund Bildungschancen zu erschließen. Von konzentrierter Abiturvorbereitung durch ‚Profis‘ bis zur Nachhilfe ‚von Schülern für Schüler‘ hat er ein umfassendes Konzept realisiert. Das System trägt sich in weiten Teilen selbst. Diejenigen, die gerade noch Unterstützung bekommen haben, geben ihre Kenntnisse gleich weiter. Diese ehrenamtlichen Helfer betreuen zurzeit 300 Schüler an sieben Schulen.
Ohne gleichzeitig „Bindeglied zwischen Familie, Schülern und Schule“ zu sein, funktioniere das Konzept nicht, erläuterte Vural. Er fördert den Dialog verschiedener sozialer und kultureller Hintergründe, organisiert Freizeitgestaltung und bietet Veranstaltungen für Eltern an. Alles mit dem Ziel, eine ‚you-can-do‘ Mentalität zu entwickeln. Für sein Engagement erhielt der von Vural gegründeten Interkulturelle Bildungs- und Förderverein (IBFS) zahlreiche Auszeichnungen.
Kleines Geld, großer Erfolg
„Vor vielen Jahren starteten Oikocredit und die Grameen Bank mit der großen Hoffnung, mit Mikrokrediten vielen armen Menschen zu helfen,” führte Geschäftsführer Florian Grohs den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus an und erläuterte sein Geschäftsmodell. Heute sei Oikocredit eine internationale Genossenschaft, die sich weltweit für Gerechtigkeit einsetze: „Wir motivieren Menschen und Institutionen, ihre Rücklagen sozial verantwortlich zu investieren“.
Gelegenheit zur Information bot die Social-Business-Fair im Foyer. ‚Energie in Bürgerhand‘ und der Düsseldorfer Fairhandelsladen elMartin präsentierten sich ebenso wie die GLS-Bank, die ausschließlich soziale und ökologische Projekte finanziert.
Grenzen zu überschreiten“ sei Teil des Konzepts, stellte Krista Volles das Ökosoziale Forum vor. Unterstützung sei der im Aufbau befindlichen Projektgruppe NRW sehr willkommen. Im Herbst sollen eine Ausstellung zu Mikrokrediten und weitere Veranstaltung folgen.