In dem neu erschienen Buch „Global Sustainability – A Nobel Cause“ kommen Naturwissenschaftler, Wirtschaftsexperten, Friedensnobelpreisträger, Politiker, Vertreter großer Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) und anerkannte Experten der Nachhaltigkeitswissenschaften zu Wort. Das Buch baut auf die Vorträge und Diskussionen des ersten „Nobelpreisträger-Symposiums zur Globalen Nachhaltigkeit“ 2007 in Potsdam auf. Die Themen reichen von neuen Erkenntnissen der Klimaforschung über technologische Innovationen und ökonomische Anreizsysteme bis hin zu Fragen der Kommunikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen und der öffentlichen Meinungsbildung. Das Buch ist online frei verfügbar.
Drei Autoren setzen sich mit dem wichtigen Thema der Kommunikation von Wissen auseinander. Sie sehen den uneingeschränkten Zugang zu Informationen und den Wissensaustausch als Voraussetzung für das Ergreifen von notwendigen Maßnahmen in der Klimapolitik an. Die Regierungen sind dabei auf wissenschaftlichen Rat angewiesen. Aber nicht nur die Politik braucht den Rat, auch die Bürger sind für die Wissenschaftler wichtige Ansprechpartner bei der Bekämpfung der Erderwärmung. Ob als Konsument, als Wähler oder als Individuen, ihr Verhalten wird maßgeblich die weitere Entwicklung der Treibhausemissionen beeinflussen.
Die Massenmedien bieten zunächst gute Möglichkeiten Wissen zu verbreiten. Wenn man aber die mediale Berichterstattung betrachtet, so wird oftmals das Ziel einer breiten Beeinflussung nicht erreicht. Der traditionelle Journalismus pflegt eine ausgewogene Berichterstattung, in der verschiedene Seiten zu Wort kommen, damit das Publikum die Möglichkeit hat, eine eigene Meinung zu bilden. Dieses Anliegen erscheint zunächst löblich, ist aber kontraproduktiv, wenn es darum geht, die fast einhellige Meinung aller Wissenschaftler bzgl. der Ursachen und Folgen des Klimawandels wiederzugeben und die Handlungsnotwendigkeit zu betonen. Zusätzlich werden leider immer noch wissenschaftlich fragwürdige Ansichten verbreitet und Zeit und Energie für die Richtigstellung vergeudet, die besser für eine Lösungssuche genutzt werden könnten. Heute sind klare Analysen und eindeutige persönliche Empfehlungen von Wissenschaftler bei der Berichterstattung zielführender. Auch die Schulen und Bildungseinrichtungen spielen eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen Wissensvermittlung. Alle Möglichkeiten der Aufklärung und Bewusstseinsbildung wie Bücher und Publikationen, blogs, öffentliche Vorträge und Konferenzen müssen genutzt werden. Hier ist die wichtigste Herausforderung, das Publikum empfängerorientiert anzusprechen, sie richtig zum Thema hinzuführen um das Verstehen der oft komplexen Zusammenhänge zu ermöglichen, damit eine wirksame Umsetzung erreicht wird.
NGOs spielen ebenso eine wichtige Rolle bei der Wissensvermittlung und der politischen Einflussnahme. NGOs sind meist unabhängig, locker gruppiert, und vielfältig zusammengesetzt. Die einheitliche Ausrichtung ihrer Zielsetzung jedoch, ist wichtig zum Aufbau von Netzwerken. Durch die Nutzung von Internet und anderen Kommunikationsmöglichkeiten können sie meist schnell, flexibel und medienwirksam agieren. Die NGOs erfüllen somit eine wichtige Aufgabe bei der Informationsverbreitung und der Mobilisierung von Bürgern, um politischen Handlungsdruck zu erzeugen. Sie sind ein wichtiges Gegengewicht zu den eher starren Parteien und den oft Lobby gesteuerten parlamentarischen Institutionen. Die NGOs werden deshalb z.B. bei der Projektbetreuung in Entwicklungsländern als Partner auf gleicher Augenhöhe und als Kontrollorgane eher akzeptiert. Die Unabhängigkeit und die hohe Flexibilität sind besonders wertvoll, wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln, wie möglichst viele Menschen angesprochen werden können, damit sie die Tragweite der globalen Probleme begreifen. Noch kniffliger ist vielleicht die Aufgabe, den Menschen verständlich zu machen, wie sie langfristig davon profitieren, wenn sie ihr Verhalten ändern, auch wenn sie kurzfristig Opfer leisten müssen. Dieser Spagat ist vielleicht die größte Herausforderung, die sich allen politisch Aktiven stellt. Das setzt vor allem Kreativität, Einfühlungsvermögen und Engagement voraus. Hier können die NGOs ihre besonderen Stärken einsetzen. Gehen wir also als NGO zuversichtlich an diese sinnvolle Aufgabe heran, bestärkt durch die Erkenntnis, dass wir eine wichtige Funktion bei der Rettung unseres Planeten erfüllen.