Weltklimagipfel gescheitert – Für wen?

Der zur Überlebenskonferenz hochstilisierte Weltklimagipfel in Kopenhagen endete in einer Blamage. Die Rettung der Welt wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

Unter dem Deckmantel des Globalen obsiegten – nur mühsam getarnt – die Eigeninteressen. Die Ärmsten vorschiebend ging es vor allem um die Zähmung unliebsamer Konkurrenten. Instrumentalisierter Klimaschutz. Die Platzhirsche EU und USA gegen die Newcomer aus dem Fernen Osten.  Jede Seite trachtet vor allem danach, den eigenen Vorteil zu behalten. Die Taschenspielertricks Deutschlands und der EU vergrößerten das Dickicht weiter. Der Versuch misslang, die durch den Zusammenbruch des Ostblocks entstandene CO2-Reduzierung als umweltpolitischen Erfolg zu verbuchen.

So betrachtet, erweist sich das Scheitern und die vergeblichen Versuche der Industrienationen ein Ergebnis zu erzwingen, am Ende als Fortschritt. Der Kaiser ist nackt. Der von G8 auf G20 hoch gestufte Kreis der „Wichtigen“ dieser Welt scheiterte ausgerechnet am Widerstand der „Kleinen“. Gerade sie wären in diesem Gerangel untergegangen oder in den sich ausbreitenden Wüsten verdorrt.

Klimawandel ist – gerade wegen der Überlebensfrage – ein Problem der Reichen. Wer vor Hunger nicht weiß, wie er die nächsten Wochen überleben soll, den interessieren langfristige Klimaziele eher peripher.
Es ist „unser“ Ressourcen verschleudernder Lebensstil, dessen auch nur ansatzweise Übernahme das globale Klima in ein bedrohliches Ungleichgewicht gebracht hat. Dass er nicht aufrechterhalten werden kann, ist die wirkliche Bedrohung. Klimawandel ist dabei nur eine Erscheinung. Die Verachtung von Allem, was uns in dieser Welt umgibt, ist kaum noch zu torpedieren.

Kleinkinder mögen dem Irrtum unterliegen, sie könnten ihre Augen verschließen und das Unliebsame würde verschwinden. Wir leben in Einer Welt. Das eigene Vorbild ist entscheidend . Den wohl wichtigste Satz der ganzen Konferenz hat Angela Merkel ausgesprochen: „Wir müssen unseren Lebensstil ändern.“ – Der globale Marshallplan beginnt vor der eigenen Haustür.

Jörn Wiertz

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.