Bildung für Nachhaltigkeit ist ein Thema und Ziel, das nicht mehr nur Eingeweihte umtreibt. Wohl in jeder Schule ziert ein buntes Plakat das schwarze Brett – und jede Klasse, jede Schülerin, jeder Schüler ist auch mit aufrichtigem Interesse bis Feuereifer dabei, wenn es um “Öko” und damit die eigene Zukunft geht – ein Wasserprojekt hier, ein Partnerprojekt mit Indien oder Afrika dort u.v.m. Da bleibt die “Meckes”-Tüte schon mal außen vor… Es bestehen Netzwerke – nicht zuletzt dieses, unsere -, deren Akteure lieber heute als morgen die Balance von wirtschaftlichem Profit, sozialer Fairness und gesundheitlicher Vernunft umgesetzt sehen – und das weltweit…
Und so hofft der Autor auf heftigsten Widerspruch, wenn er nach reiflicher Überlegung und weit über 20 Jahren Erfahrung im außerschulischen und schulischen Bildungsbereich behauptet, dass der Durchbruch zu einer Bildung der Nachhaltigkeit hier zu Lande nicht geschafft werden wird – und kann. Die Begründung: Das Bildungssystem folgt schon lange nicht mehr den hehren Zielen des Humboldt´schen Ideals, sondern und zunehmend den Erfordernissen der industriellen und hochindustriellen Arbeitswelt. Das kann bedauern, wer die Entfremdung des Menschen durch die Arbeit beanstandet – gleichwohl ist unser materieller Wohlstand, den nur wenige missen wollen, auf dieses Fundament gebaut.
Es gab seit der Industrialisierung Kriege mit Aufrüstung und Zerstörung, mit Wirtschaftswunderwachstum, Produktivitätszuwachs ohne Ende – und der subventionierten Exportrekordweltmeisterschaft – zu Lasten der Bauern und Kinder in Afrika (z.B.) . Und das ist natürlich jetzt der Knackpunkt. Das real existierende Wirtschaftssystem muß weiter viel und mehr umsetzen, muß ressourcenintensiv produzieren, muß kostenintensiv und multimedial bewerben – und zwar viel von dem, was niemand so wirklich zum Glück braucht und nicht mehr so nebenbei finanzieren kann. Der spannende Begriff der Suffizienzwirtschaft, der bedarfsorientierten Produktion und Nachfrage, ist deshalb kaum gehört; denn diese wäre zwar nachhaltig und ergo folgerichtig, aber auch das Ende des flotten Spiels.
Doch wer ist bereit auf Qualität statt Quantität zu setzen – auf Vollwert statt Verpackungsmüll und Preiswürdigkeit statt Dum(m)ping? Wer ist bewußt genug, um einen Lebenssinn außerhalb des Konsums um seiner selbst Willen zu finden? Und wer läßt sich nicht gern von “Brot & Spielen” ablenken? (Nichts gegen gutes Brot und freies Spiel!) Kann und darf Schule gegen diese Interessen der kapitalintensiven und werbetreibenden Konzerne wirkungsvoll lehren? Wie müßte Schule sein, wenn alle schlummernden, schöpferischen Köpfe auf Innovation statt Reproduktion umschalten dürften, auf Erneuerbare Energien, Neue Technologien und “Lebensunternehmergeist” statt Arbeitnehmerschaft gerichtet würden – und dabei Kunst, Spiel und Bewegungskultur nicht im Abseits blieben (wie derzeit)?
Wie kann der Geist der Kongress-Broschüren und Parteiprogramme wirklich in die “G8″-teten “Treibhäuser der Zukunft” eindringen? Zumal die Verzögerung über die Bologna-gebeutelten Universitäten viele Jahre beträgt… Und wissen die Bildungsverantwortlichen auch, wie es an der “pädagogischen Front” wirklich aussieht? Da geht es nicht um “nachhaltiges oder traditionelles Lernen” – da geht es um den Kampf um Aufmerksamkeit und das Überleben der Lernfähigkeit an sich. Zwei Drittel der Lernenden gelten als unkonzentriert, warum auch immer… – “zum Glück” gibt es aber für Gestresste, Gelangweilte und Unterforderte Pillen statt Pausenbrot – was Aktien-Index und Bruttoinlandsprodukt dann wieder etwas weniger schrumpfen läßt…