Dr. Frank Freimuth
1. Bildung in der globalisierten Welt
Für die humane Entwicklung eines jeden Menschen wie der gesamten Gesellschaft in unserer globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts kommt der Bildung eine Schlüsselrolle zu. Das Ökosoziale Forum Deutschland tritt deshalb für ein weltweites Grundrecht auf Bildung und Ausbildung unabhängig von sozialer und ethnischer Herkunft ein.
Wir teilen die Milleniumszielen der Vereinten Nationen und halten die vollständige Primarschulbildung für alle Jungen und Mädchen weltweit für zwingend erforderlich .
Ebenso stimmen wir überein mit den Zielen der Vereinten Nationen, die für die Jahre 2005-2014 die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgerufen haben, um allen Menschen Bildungschancen zu öffnen.
Wir teilen diese Ziele und konstatieren, das wir noch erheblich von ihrer Verwirklichung entfernt sind. Mit unserem Engagement wollen wir zur Realisierung beitragen. In besondere Weise gilt dies für die Umsetzung der Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in Deutschland.
2. Das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland
Angesichts der demographischen Entwicklung und den Herausforderungen der Globalisierung ist Bildung eine der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben für die Bundesrepublik Deutschland. Gleichwohl schneidet das deutsche Bildungswesen im internationalen Vergleich allenfalls mittelmäßig ab. Um international mithalten zu können, sind durchgreifende kurz- bis mittelfristig wirksame Verbesserungen im deutschen Bildungssystem erforderlich. Auch darauf zielt unser Engagement ab.
Für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind ein hoher Stand von Qualifizierung und Ausbildung unerlässlich Bildung meint aber mehr. Für die Zukunft Deutschlands ist es eine wichtige Herausforderung, alle geistigen und ethischen Potentiale zu erschließen und zu entwickeln. Auch hierin besteht eine wichtige Aufgabe für die Bundesrepublik, um dauerhaft im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
3. Das Bildungsverständnis des Ökosozialen Forum Deutschland
Die Schwachstellen des deutschen Bildungswesens dürfen nicht verschwiegen, verharmlost oder schön geredet werden. Ungerechtigkeit, mangelnde Durchlässigkeit, Abhängigkeit von sozialer und ethnischer Herkunft, Mittelfeld in Mathematik, Platz 8 von 57 bei den Naturwissenschaften oder quantitativer Mangel an Hochqualifizierten sind Tatsachen, die diese Defizite deutlich beschreiben und uns z.B. durch die Ergebnisse der Pisastudien oder den OECD Bildungsbericht in jüngerer Zeit deutlich vor Augen geführt wurden.
Kritik reicht aber nicht aus. Aus der Sicht des Ökosozialen Forum Deutschland müssen klare, über den Tag hinaus führende Lösungen formuliert und umgesetzt werden. Dabei setzen wir in erster Linie an der Entwicklung der positiven Möglichkeiten des Bildungswesens an. Es geht uns darum, neue Ideen und Anregungen einzubringen und positive Ansätze in Pädagogik und Bildungspolitik zu fördern.
Im Ökosozialen Forum gibt es bereits interessante pädagogische Ansätze und Projekte, die eine nachhaltige Entwicklung des Bildungssystems unterstützen Diese Initiativen werden wir sichtbarer machen und weiter ausbauen. Wir wollen Potentiale unserer Mitglieder auf dem Gebiet der Bildung sichtbarer machen, bündeln fördern und weiter ausbauen. Die Entwicklung praktischer Projekte hat dabei Vorrang.
4. Unsere Kernforderungen
Daran anknüpfend bilden folgende Kernforderungen des Ökosozialen Forum die Grundlage für die Diskussion mit der Politik und den gesellschaftlichen Meinungsbildnern.
1. Das Ökosoziale Forum Deutschland macht das Thema „Bildung“ zu einem Schwerpunkt seines Engagements. Wir setzen uns dafür ein, dass die Ziele der „Weltdekade der Bildung“ in Deutschland umgesetzt werden. Dazu verstärkt das Ökosoziale Forum auch die Zusammenarbeit mit Organisationen und Institutionen, die diesem Ziel ebenfalls verpflichtet sind.
2. Gute Bildung und Qualifizierung sind nicht nur eine Frage der Höhe der staatlichen Investitionen in Bildungseinrichtungen. Allerdings stellen wir fest, dass die deutschen Bildungsetats im internationalen Vergleich deutlich zu gering ausgestattet sind. Bildung, einschließlich des Bereichs „Entwicklung und Forschung“ haben für den Standort Deutschland aus unserer Sicht die höchste Priorität. Dies muss in den öffentlichen Haushalten von Bund, Ländern- und Kommunen weit stärker als bisher berücksichtigt werden. Aus Sicht des Ökosozialen Forum sind außerdem stärkere bundeseinheitliche bildungspolitische Rahmensetzung unerlässlich. Die Ergebnisse der Föderalismusreform bewerten wir als bislang unzureichend.
3. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, die stark durch die „neuen Kommunikationstechnologien“ geprägt ist. So hat sich z. B. der Umgang mit dem Internet zu einer „vierte Kulturtechnik“ entwickelt. Wir wollen den verantwortungsvolle Umgang mit der „neuen Medien“ stärken: Die Förderung der Medienkompetenz hat für das Ökosoziale Forum auch deshalb höchste Priorität, weil sie wichtiges Orientierungswissen in der Informationsvielfalt der globalisierten Welt schafft und dem „Digital Divide“ entgegenwirkt.
4. Im Handlungsfeld Schule verfolgt das Ökosoziale Forum Deutschland vorrangig folgende Ziele:
- Wir müssen im PISA Vergleich in den nächsten Jahren auf den Plätzen 1 bis 5 landen
- Mindestens die Hälfte eines Jahrgang muss studienreif sein und 30 % der Abiturienten sollten aus sogenannten „bildungsfernen Schichten“ kommen
- Lehrerstudium und Lehrerberuf werden wieder zu einer besonderen Qualifikation – messbar in der Nachfrage, in der gesellschaftlichen Reputation und auch im sinkenden Prozentsatz derjenigen, die ihren Beruf aus Krankheitsgründen verlassen
- Sport und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ernährung spielt nicht nur in der vorschulischen Erziehung und der Schule eine wichtige Rolle .Das Ökosoziale Forum Deutschland bewertet diesen Zusammenhang als ein wichtiges pädagogisches Handlungsfeld.
Wir sind davon überzeugt, dass das Bewusstsein für den kulturellen Stellenwert von Bildungsprozessen in Deutschland gestärkt und Bildung in den Mittelpunkt der gesellschaftspolitischen Debatte gehört.