Lebensstil muss sich ändern

ÖSF-Regionalgruppe “Metropolregion Nürnberg” gegründet: Ökosoziales Forum will Region zum Umdenken bringen.

Äpfel vom Bio-Bauern, fair gehandelter Kaffee und sparsame Autos allein schaffen noch keine gerechte Welt. Das meint zumindest das Ökosoziale Forum, das nun eine Regionalgruppe für die Metropolregion Nürnberg gegründet hat und eine ökosoziale Marktwirtschaft fordert.

NÜRNBERG — Die Initiative fängt groß an: Sie wünscht sich nichts weniger als eine neue Weltwirtschaftsordnung. Eine, bei der schonend mit natürlichen Ressourcen umgegangen wird, bei der die Kluft zwischen Arm und Reich kleiner wird als heute und die rigide gegen den Klimawandel vorgeht. Eben eine mit allgemeingültigen ökologischen und sozialen Standards.

„Der heutige Lebensstil ist nicht mehr durchzuhalten. So können wir nicht weitermachen“, meint Detlef Wendt, Vorsitzender des Ökosozialen Forums Deutschland, in Erfurt. Deshalb unterstützt die Initiative den von US-Politiker Al Gore angeregten „Global Marshall Plan“, der sich für nachhaltige Entwicklung und den Kampf gegen Armut und Hunger einsetzt.
Prominente Mitstreiter sind die Politiker Hans-Dietrich Genscher und Rita Süssmuth, aber auch die Fernsehmoderatorin Sandra Maischberger und der Bergsteiger Reinhold Messner. „Wir sind keine 68er-Revoluzzer“, meint Wendt. Die Straße sieht er nicht als primäres Aktionsfeld. Das Ökosoziale Forum möchte eher durch Lobby-Arbeit einen Bewusstseinswandel schaffen.
Zwar hat sich die Initiative erst vor einem halben Jahr gegründet, die Mitglieder sind aber durchaus einflussreich. Christoph Matschie (SPD) etwa will im August thüringischer Ministerpräsident werden und der Ulmer Informatikprofessor Franz Josef Radermacher ist so etwas wie der deutsche Vordenker der Global-Marshall-Plan-Initiative. Radermacher kommt am 21. April zu einem Vortrag nach Neumarkt.
Denn auch in der Metropolregion Nürnberg ist das Forum aktiv, zum Beispiel in Person von Ralf Mützel vom Bürgerhaus Neumarkt. „Die Globalisierung ist keinen Regeln unterworfen, die Welt in der Schieflage“, meint er. Mit fatalen Folgen: „In Sri Lanka habe ich Teepflückerinnen getroffen, die weniger als einen Dollar am Tag verdienen“, so Mützel. Außerdem würden täglich 20000 Menschen an Hunger sterben. Um langsam ein Umdenken zu bewirken, will die Regionalgruppe des Ökosozialen Forums zum Beispiel Vorträge organisieren und Schüler Bäume gegen den Klimawandel pflanzen lassen. Mützel selbst geht mit gutem Beispiel voran: Er kauft seit 20 Jahren fair gehandelte Produkte, fährt so viel mit dem Fahrrad und dem Zug wie möglich und spart Energie, wo es nur geht.

MARTIN MÜLLER
Quelle: Nürnberger Nachrichten vom 24. Januar 2009

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